Treffen in Brüssel: EU-Politiker und Religionsvertreter werben für Respekt und Austausch

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Die Spitzen der EU-Institutionen sind in Brüssel mit 15 hochrangigen religiösen Persönlichkeiten zusammengetroffen, um über drängende Probleme wie Fremdenfeindlichkeit und Fundamentalismus zu beraten.

Der Dialog mit den Religionen sei nie wichtiger gewesen als im Moment, sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, nach den Gesprächen am Dienstag. Unter den Teilnehmern waren Vertreter des Christen- und des Judentums, des Islam, des Hinduismus und des Buddhismus. Anwesend war auch der Vizepräsident des Europaparlaments, Antonio Tajani.

„Friedensfähigkeit kann in einer Gesellschaft nicht durch Abgrenzung erreicht werden“, unterstrich die Synodenpräses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer. Sie blickte dabei auch auf die jüngste Ankündigung der französischen Rechtspolitikerin Marine Le Pen, im Europaparlament zusammen mit Abgeordneten aus sechs weiteren Ländern eine Rechtsaußen-Fraktion zu gründen. Die EKD-Synode sehe diese Bewegung mit großer Sorge, sagte Schwaetzer. Frieden könne nur durch Respekt, Austausch, Kennenlernen und Vertrauen entstehen, unterstrich sie.

Ähnlich äußerten sich auch jüdische und muslimische Vertreter. „Ab dem Moment, wo der andere für mich nicht mehr ein Fremder, sondern ein Partner ist, wird der Mythos Marine Le Pens von selbst zerplatzen“, sagte der Brüsseler Oberrabiner Albert Guigui. „Man sollte keinen Widerstand gegen Marine Le Pen leisten, sondern versuchen, Brücken zu bauen.“ Angesichts der Radikalisierung junger Muslime sei es sinnvoll, gemäßigte religiöse Strömungen zu unterstützen, betonte Guigui.

Der aus Marokko stammende islamische Rechtsgelehrte Khaled Hadjji sagte, die Angst vor dem Islam sei in seinen Augen bis zu einem gewissen Grad legitim. „Die Muslime, die in Europa leben, kommen vielleicht mit seltsamen Sitten und Gebräuchen.“ Das Schüren und Verbreiten von Angst bis hin zum Aufbau einer «Angstindustrie» bedürfe hingegen einer koordinierten Reaktion der ganzen Gesellschaft, verlangte Hadjji, der als Generalsekretär des Europäischen Rats der Marokkanischen Ulama fungiert.

Die katholische Kirche war unter anderem durch Kardinal Reinhard Marx vertreten, der auch Präsident der katholischen EU-Bischofskonferenzen ist. Mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte in der Europäischen Union forderte Marx, die EU müsse auf eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge hinarbeiten. Die Politik müsse auch an den Fluchtursachen in den afrikanischen Ländern ansetzen, auch wenn dies nicht von heute auf morgen möglich sei.

In den Pfarreien und Gemeinden sei „ein ungeheuer großes Engagement“ für die Integration der Ankömmlinge zu beobachten, berichtete Marx. Sie seien „ein großes Rückgrat der Zivilgesellschaft.“

Die Religionsvertreter und die Spitzen der EU-Institutionen kommen traditionell einmal jährlich zusammen. Seit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages der EU gehört der Dialog mit den Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zum europäischen Vertragsrecht. Bereits Anfang Juni waren EU-Vertreter mit Repräsentanten weltanschaulicher Organisationen zusammengetroffen.

Der Austausch von Politik und Kirche liege im beiderseitigen Interesse, sagte die EKD-Synodenpräses Schwaetzer: „Die EU-Institutionen haben in den Kirchen einen kritisch-konstruktiven Partner, um die europäische Integration zu befördern und ein wertebasiertes Europa zu verwirklichen. Sie sind Impulsgeber und Multiplikatoren des Europagedankens“ Die Kirchen wiederum seien auf Offenheit der Politik für ihre Impulse angewiesen. Zudem wollten die Kirchen den Dialog auch dazu nutzen, die europäische Rechtsordnung für religiöse Anliegen zu sensibilisieren.

(Quelle:epd)

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