Die Kirche tut etwas für die Flüchtlingsbetreuung

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Quelle: Der Standard

4000 Asylwerber werden im kirchlichen Bereich untergebracht, Quartiere wurden von Behörden abgelehnt

Am 8. Juli hat Barbara Coudenhove-Kalergi in ihrerSTANDARD-Kolumne gefragt, warum sich die Kirche in der Flüchtlingskrise nicht lautstark zu Wort meldet. Trotz einzelner Initiativen etwa von Kardinal Schönborn sind viele Klöster und kirchliche Gebäude leer und ungenützt und stünden zur Verfügung. Es sei an der Zeit für einen „Aufruf der Bischofskonferenz“, für Hirtenbriefe, die sagten, „was im Jahr 2015 Christenpflicht wäre“.

Gewiss, mit diesem Hinweis hat Coudenhove-Kalergi recht: Hilfe für Menschen auf der Flucht ist eine unverhandelbare Christenpflicht und hat mit naivem Gutmenschentum nichts zu tun. Das haben im Übrigen die Bischöfe zuletzt bei ihrer Juni-Vollversammlung in Mariazell betont und in einer Erklärung sowohl Kirche also auch Gesellschaft in die Pflicht genommen: „Das Menschenrecht auf Asyl ist ein hohes Gut und eine völkerrechtliche Verpflichtung. Österreich darf dabei keine Abstriche zulassen.“

Die katholische Kirche ist für Hilfesuchende da, sei es als Caritas, durch das Engagement von Pfarren und Ordensgemeinschaften und durch den konkreten Einsatz von Gläubigen. Weil dieses Engagement selbstverständlich ist, wird vieles nicht an die „große Glocke“ gehängt. Dass sich die Kirche dafür aber nicht verstecken muss, belegen folgende Fakten: Derzeit sind rund 4000 Asylwerber im Bereich der Grundversorgung im kirchlichen Bereich untergebracht und werden von der Caritas betreut – im Juli 2014 waren es rund 3000. Bei 2000 Plätzen handelt es sich um Quartiere, die im kirchlichen Eigentum stehen (z. B. Pfarrhof, Kloster). Der Rest wurde angemietet. Insgesamt wurden von der Kirche sehr viel mehr Quartiere angeboten, von den Behörden aber als ungeeignete zurückgewiesen (z. B. Brandschutz). Auch fragwürdige Ängste dürften dabei eine Rolle spielen.

Weiters werden 10.000 Asylwerber von der kirchlichen Caritas mobil betreut (Sozialberatung). Sie ist auch jene Institution, die sich am intensivsten in der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen engagiert – österreichweit 210.

Laufend kommen neue kirchliche Grundversorgungsplätze dazu. So wurde jüngst das „Stephansheim“ in Horn für 100 Asylwerber bereitgestellt. Der dortigen Gruppe „Willkommen Mensch“ – eine Initiative, die es auch in anderen Pfarren gibt – haben sich schon 120 Menschen angeschlossen, um bei der Integration der Flüchtlinge zu helfen. Diese Woche hat Stift Admont das dortige leerstehende Schülerheim vom Land Steiermark gekauft. Bis September werden die Räume für 70 Asylwerber adaptiert – auf eigene Kosten natürlich. Die Diözese Eisenstadt erhöht bis zum Jahresende die kirchlichen Plätze von derzeit 54 auf rund 200. Die Unterbringung erfolgt in 30 Pfarrhöfen, die dafür hergerichtet werden. Und seit letzter Woche hat die Caritas Wien einen Omnibus, der Sachspenden für Flüchtlinge in Traiskirchen sammelt und dort verteilt.

Was bleibt zu tun? Noch genug! Seit kurzem gibt es für jede Diözese einen „Diözesankoordinator für Flüchtlingsquartiere“, um die Suche nach kirchlichen Quartieren zu forcieren. Entscheidend aber ist, die vorhandene Hilfsbereitschaft in Bevölkerung und Kirche zu aktivieren. Hier sind vor allem die politischen Verantwortungsträger gefordert. Politisches Hickhack und rhetorische Ablenkungsmanöver helfen Menschen in Not am wenigsten. (Paul Wuthe, 10.7.2015)

Paul Wuthe ist Presse- und Medienreferent der Österreichischen Bischofskonferenz und Chefredakteur und Geschäftsführer von Kathpress, der Katholischen Presseagentur.

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