Pakistan: Oberstes Gericht stoppt Todesurteil gegen Christin Asia Bibi

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Das Oberste Gericht in Pakistan hat das Todesurteil gegen die wegen Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi kassiert. Die Richter stoppten am Mittwoch die geplante Hinrichtung der fünffachen Mutter, wie pakistanische Medien berichteten.

In einem weiteren Schritt ließen die Richter ein Berufungsverfahren gegen das Urteil zu. Die 49-Jährige ist seit 2009 in Haft. Asia Bibi (Foto: FreeAsiaBibi) war im November 2010 zum Tod am Galgen verurteilt worden, weil sie angeblich abfällige Bemerkungen über den Propheten Mohammed gemacht haben soll. Gotteslästerung kann in Pakistan mit dem Tode bestraft werden.

Anwalt Saiful Mulook sprach von zahlreichen rechtlichen Einwänden in dem Verfahren, die einen Freispruch nach sich ziehen könnten. Die Anzeige gegen die Christin sei erst fünf Tage nach dem angeblichen Vorfall erfolgt. Auch seien die Zeugenaussagen nicht über alle Zweifel erhaben.

Das Todesurteil hatte international Empörung ausgelöst. Auch der frühere Papst Benedikt XVI. setzte sich für die Begnadigung der Katholikin ein. In zweiter Instanz war das Urteil im vergangenen Jahr bestätigt worden.

Asia Bibi hat stets ihre Unschuld beteuert: Nach ihrer Darstellung war den Blasphemie-Vorwürfen ein Streit vorangegangen. Bei der Feldarbeit gemeinsam mit anderen Frauen sei sie beauftragt worden, Wasser zu holen. Dass Asia selbst aus dem Gefäß trank, habe die muslimischen Frauen erzürnt, die nicht aus demselben Krug hätten trinken wollen. Asia und ihre Familie waren die einzigen Christen im Dorf und sollen immer wieder aufgefordert worden sein, zum Islam zu konvertieren.

Menschenrechtler fordern seit langem eine Reform des Blasphemie-Gesetzes in Pakistan, weil es aus ihrer Sicht für Racheakte und Behördenwillkür missbraucht wird. Doch alle Versuche, das Gesetz zu ändern, scheiterten stets am Widerstand religiöser Hardliner. Zwei Politiker wurden 2011 ermordet, weil sie eine Lockerung forderten. Beide hatten sich für Asia Bibi eingesetzt. Auch Anwälte, die wegen Gotteslästerung Beschuldigte verteidigen, sind ihres Lebens nicht sicher.

(Quelle: epd)

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