Studentische Studie: Katholiken lehnen Lehre ihrer Kirche zu Sex und Ehe ab

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Deutsche Katholiken lehnen den Umgang ihrer Kirche mit Sexualmoral, der Ehe und der Homosexualität mehrheitlich ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Studenten aus Münster und Berlin, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Zwei Befragungen des Vatikan vor der Familiensynode im Oktober in Rom waren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Die Katholiken und ihre Kirche werden sich in zentralen Lebensfragen nicht einig: Eine breite Mehrheit der Gläubigen lehnt den kirchenoffiziellen Umgang mit Sex und Ehe, mit Geschiedenen und Homosexuellen ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Studenten, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Sie bestätigt den Trend zweier päpstlicher Frageaktionen vor der Familiensynode, die im Oktober in Rom stattfindet. Eine Mehrheit der Gläubigen will eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre und eine größere Offenheit gegenüber der Lebenswirklichkeit.

Die studentische Untersuchung ist ungewöhnlich – und hatte ungewöhnlichen Erfolg. Tobias und Anna Roth von der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster verteilten ihre Fragebögen auf einer viermonatigen Reise an Gemeinden in zwölf Ländern. Danach stellten sie die Fragen in sieben Sprachen online und die Verbreitung ging weiter: über Gemeinden und soziale Netzwerke. Am Ende konnten sie zusammen mit der Berliner Studentin Sarah Delere rund 10.700 Fragenbögen aus 42 Ländern auswerten, darunter England, Polen, Frankreich, Italien, Marokko, Brasilien und die USA. Der größte Anteil kam mit knapp 7.900 aus Deutschland.

Die Ergebnisse: 90 Prozent der deutschen Katholiken lehnen es ab, dass Geschiedene von der Kommunion ausgeschlossen werden. In anderen Ländern ist die Ablehnung nicht ganz so hoch, aber ebenfalls deutlich. Beim Thema Empfängnisverhütung orientiert sich ein Großteil aller Befragten gar nicht mehr an der Lehre der Kirche, sondern an medizinischen Empfehlungen oder Praktikabilität. Drei Viertel wenden künstliche Verhütung an, die nach der katholischen Lehre verboten ist.

Ein große Mehrheit spricht sich ebenfalls länderübergreifend dafür aus, dass Paare vor der Hochzeit zusammenleben können. Gleichzeitig sagen neun von zehn Befragten, dass ihnen eine kirchliche Trauung wichtig ist. Und fast alle (95 Prozent) wollen auch ihre Kinder christlich erziehen. Aus Sicht der Theologie- und Politik-Studenten ist das ein Indiz dafür, dass die gerade die aktiven Katholiken, die sie befragt haben, den Idealen ihrer Kirche verbunden sind, dass sie aber die Orientierung am Leben vermissen: Eine „Ehe auf Probe“ erhöht in den Augen der Gläubigen die Chance auf eine dauerhafte Ehe.

Im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren wünschen sich 70 Prozent der deutschen Studien-Teilnehmer eine Anerkennung und Segnung dieser Partnerschaften. Dass gleichgeschlechtliche Partner kirchlich heiraten dürfen, wird indes mehrheitlich abgelehnt.

85 Prozent der deutschen Gläubigen halten es für besser, Priester frei wählen zu lassen, ob sie im Zölibat leben wollen. Das ist im Ausland zum Teil anders: Insbesondere in Polen und in Südeuropa wird der Zölibat weiter befürwortet. In südamerikanischen Ländern gibt es knappe Mehrheiten für einen Wahlzölibat.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der an der Familiensynode in Rom im Oktober teilnehmen wird, hat nach einem Gespräch mit den Studierenden zugesagt, ihre Ergebnisse in die synodale Debatte einzubringen. Das sehen die Studierenden als großen Erfolg ihrer Arbeit. Ihr Ziel sei eine verständliche und wissenschaftlich transparente Befragung gewesen. Unterstützt wurden sie von ihren Professoren in Münster und an der FU Berlin sowie vom Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Dass sie binnen eines Jahres über 10.000 Fragebögen verteilen und auswerten konnten, hatte niemand erwartet.

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