Bekehrt, aber nicht begnadigt: Mit Jesus in der Zelle

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Von: Konrad Ege (epd)

In US-Gefängnissen spielt Religion eine wichtige Rolle. Viele Inhaftierte bekehren sich zum christlichen Glauben, sie studieren Theologie oder lassen sich im Knast zu Seelsorgern ausbilden. Das Strafmaß ändert sich allerdings nicht.

Mit weltlicher Gnade kann Kelly Gissendaner kaum rechnen. 1997 wurde sie wegen des Auftragsmordes an ihrem Ehemann zum Tod verurteilt. Seither wartet sie im US-Bundesstaat Georgia auf ihre Hinrichtung, die bereits zweimal verschoben wurde. Im Gefängnis hat Gissendaner Theologie studiert. Die Todeskandidatin steht inzwischen mit dem deutschen Theologen Jürgen Moltmann in Briefkontakt, der sie auch im Gefängnis besucht hat. Der Staat Georgia will Gissendaner nach wie vor hinrichten.

Für viele Häftlinge in den USA gehören Bibelstunden, Gottesdienste und Theologie-Vorlesungen zum Gefängnisalltag. Beispielsweise organisiert die „Chandler School of Theology“ zusammen mit dem lutherischen Wartburg College in Iowa Kurse für Häftlinge. Diese Seminare sollen den inhaftierten Frauen ein Stück Freiheit bringen, zumindest die Freiheit zu denken und Fragen zu stellen, sagt die Ethikerin Jennifer McBride vom Wartburg College. Auf dem Lehrplan stehen der deutsche Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer oder der Umgang mit Trauma und Trauer.

2,2 Millionen Menschen sitzen gegenwärtig in den rund 5.000 Justizvollzugsanstalten in den USA. Ungefähr 60 Prozent der Häftlinge sind Afroamerikaner und Latinos. Papst Franziskus will bei seiner USA-Reise Ende September Häftlinge in einem Gefängnis in Philadelphia (US-Staat Pennsylvania) besuchen. Religion spielt für viele Häftlinge eine wichtige Rolle.

Der Religionswissenschaftler Joshua Dubler hat ein Buch geschrieben über Glauben hinter Gittern („Down in the Chapel„). In den USA seien die Menschen ziemlich religiös, argumentiert der Autor. Die Verfassung garantiere das Recht auf Religionsausübung. In den vergangenen Jahren hätten viele Haftanstalten Freizeit- und Bildungsangebote beschnitten, doch Religion sei kaum antastbar. Religiöse Versprechen einer sofortigen und tiefen Bekehrung kämen bei vielen Häftlingen an.

Im „Garden State“-Jugendgefängnis im Norden des Bundesstaates New Jersey ist Gefängnispfarrer Charles Atkins zuständig für zahlreiche Freiwillige, die Häftlinge besuchen zu Gesprächen und zum Bibelstudium. Atkins hat auch Theologiekurse für die 1.800 inhaftierten Männer zwischen 17 und 27 Jahren eingerichtet. Interessierte können an einem einjährigen Theologielehrgang des „Princeton Theological Seminary“ teilnehmen. Dass Häftlinge über Glauben nachdenken, überrasche nicht, sagte Atkins. Eingesperrt sein sei „traumatisch, ein Schock, man kennt sich nicht aus“, das führe zum Besinnen auf das eigene Leben.

Auch in Texas gibt es Theologiekurse für Inhaftierte. Dozenten des „Southwestern Baptist Theological Seminary“ unterrichten im Darrington-Gefängnis in Rosharon mehr als 100 Häftlinge. Nach Abschluss werden viele als Seelsorger in andere Gefängnisse verlegt. Er sitze seit 20 Jahren ein, sagte Tracy Williams in einem Video der theologischen Einrichtung. Er habe in der Haft zu Jesus gefunden, und sei dankbar, dass er anderen helfen könne. Und in Louisiana hat eine Stiftung in Haftanstalten 14 Kapellen gebaut, um die „moralische Rehabilitierung“ der Häftlinge zu fördern.

Sollte er jemals im Bundesstaat Louisiana im Gefängnis landen, würde er sich sofort bekehren, sagte der Menschenrechtsaktivist James Ridgeway vom Verband „solitarywatch.org„, der sich um Häftlinge in Isolationshaft kümmert. Inhaftierte in Louisianas Hauptgefängnis in Angola hätten ihn wissen lassen, dass man dort als Christ Vorzüge genieße. Gleichzeitig kritisiert die Amerikanische Bürgerrechtsunion jedoch, dass nichtchristliche Häftlinge in dem Gefängnis diskriminiert werden.

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