7 Wochen ohne Enge: Wenn ein „großes Herz“ Mut zur Versöhnung macht

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Von: Luisa Heß

Raus aus der Routine, mal einen neuen Blick wagen, dazu ruft die evangelische Aktion «7 Wochen Ohne» auf. Dieses Jahr geht es um das «große Herz»: Wer sein Herz weit macht, kann vieles gewinnen, zum Beispiel die Chance auf Versöhnung.

Offen sein für Menschen fremder Kulturen, anderen ihren Erfolg gönnen oder jemanden einladen, den man nicht kennt – in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern sollten die Menschen «einfach mal mit einem weiten Herzen experimentieren und sehen was geschieht, wenn sie sich öffnen», erklärt Susanne Breit-Keßler. Die Münchner Regionalbischöfin ist Kuratoriumsvorsitzende der Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto «Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge».

 Auch einem Mitmenschen einen Fehler zu verzeihen und sich zu versöhnen, zeugt von einem großen Herzen. «Verzeihen ist etwas Herrliches. So kann man wieder miteinander glücklich sein», sagt Breit-Keßler. Dass das vielen Menschen schwer fällt, weiß die Theologin. Denn: «Viele haben Angst, eine Machtposition zu verlieren, wenn sie verzeihen.» Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: «Man wird innerlich stärker, wenn man verzeiht.»

 Das weiß auch Barbara Ade. Sie vermittelt seit 15 Jahren beim Diakonischen Werk Darmstadt-Dieburg zwischen Tätern und Opfern von Straftaten. Als Mediatorin versucht sie, mit ihnen eine gemeinsame, außergerichtliche Einigung zu erzielen. Ihre Erfahrung: Gerade das Verzeihen kann dazu beitragen, dass das Opfer einer Straftat wieder an Selbstvertrauen gewinnt und aus seiner Opferrolle herausfindet.

 Viele Beschuldigte wüssten, dass ihre Tat nur schwer zu entschuldigen sei. Trotzdem biete ein Täter-Opfer-Ausgleich beiden Konfliktparteien Vorteile: «Der Geschädigte kann eine Wiedergutmachung einfordern und der Täter Verantwortung für sein Handeln übernehmen», erklärt die Mediatorin. Und manchmal komme es dann sogar zur Versöhnung.

Wie auch bei den zwei jungen Männern, zwischen denen Ade Ende des vergangenen Jahres vermittelte. Der Täter war wegen Körperverletzung angeklagt. Er hatte auf einen Autofahrer auf dem Parkplatz eines Restaurants eingeprügelt, noch während dieser angeschnallt hinter dem Steuer saß. Der Grund: Der Prügelnde hatte angenommen, der Autofahrer hätte beim Einparken das Kind, auf das er hatte aufpassen sollen, gestreift. In Wirklichkeit war das Kind aber gar nicht angefahren worden. Dennoch habe der Täter «rot gesehen» und sei auf den Autofahrer losgegangen, erzählt Ade.

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