Brexit: Kirchenvertreter bedauern Entscheidung der Briten

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Mit einem Appell, an Frieden und Solidarität festzuhalten, reagieren deutsche Protestanten auf den Brexit. Die anglikanische Kirche ruft ihre Landsleute zur Einigkeit und zum Gebet für europäische Politiker auf.

Nach der Entscheidung für einen Brexit hat die Kirche von England die Briten zur Einheit aufgerufen. Die Kampagnen vor dem Referendum hätten Menschen auf beiden Seiten verletzt, hieß es in einer Erklärung des Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, und des Erzbischofs von York, John Sentamu. Doch als Bürger des Vereinigten Königreichs «müssen wir nun vereint handeln, um uns der Aufgabe zu widmen, ein großherziges und vorwärts gewandtes Land zu schaffen, das zu menschlichem Gedeihen auf der ganzen Welt beiträgt», schrieben die beiden Spitzenvertreter der anglikanischen Kirche.

Papst Franziskus rief dazu auf, den bei der Volksbefragung geäußerten Willen der britischen Wähler zu achten. Das Ergebnis erfordere großes Verantwortungsbewusstsein, «um das Wohl des Volks Großbritanniens und das Wohl des Zusammenlebens des gesamten europäischen Kontinents zu garantieren», sagte er nach Angaben von Radio Vatikan auf dem Flug in die armenische Hauptstadt Eriwan.

Repräsentanten der deutschen Protestanten äußerten ihr tiefes Bedauern über den Brexit und betonten zugleich, dass die Kirchen in Deutschland und Großbritannien weiterhin zusammenarbeiten würden. In ihrem internationalen ökumenischen Netzwerk würden die Kirchen sich «weiter für ein geeintes und solidarisches Europa einsetzen», sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm am Freitag in Berlin.

Der «Geist der Versöhnung» werde durch den politischen Schritt nicht berührt, teilte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister mit, Vorsitzender der «Meissen Kommission». 1991 hatten EKD und Kirche von England die «Meissener Erklärung» unterzeichnet mit dem Ziel, «nach einer sichtbaren Einheit zu streben». Auch nach dem Brexit würden die beiden Kirche «weiterhin alles dafür tun, um unsere Kirchen und die Menschen in unseren Ländern enger zusammenzubringen», sagte Meister.

Die beiden anglikanischen Bischöfe Welby und Sentamu forderten ihre Landsleute auf, gastfreundlich und barmherzig zu bleiben und Brücken zu bauen. Viele Ausländer wie Arbeitskollegen, Nachbarn und Freunde seien nun verunsichert. Zudem riefen sie dazu auf, für Premierminister David Cameron und für die weiteren Staats- und Regierungschefs der EU zu beten. Während des Wahlkampfs hatte sich die Kirche von England stark zurückgehalten und keine offizielle Kirchenposition veröffentlicht.

Nach Einschätzung des evangelischen deutschen Auslandspfarrers Ulrich Lincoln in London hatten die britischen Kirchen vor der Abstimmung eher hilflos agiert: «Die Spaltung verläuft auch innerhalb der Kirchen. Da wird man nicht viel machen können.» Der Brexit-Beschluss sei «eine Katastrophe», sagte er. Zudem seien viele Deutsche verunsichert, zumal es während des Wahlkampfs starke ausländerfeindliche Tendenzen gegeben habe.

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm wies auf Meldungen hin, wonach vor allem junge Menschen gegen den Austritt aus der EU gestimmt hatten. Das sei «eine besondere Verpflichtung, in unserem Engagement nicht nachzulassen», sagte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist und ergänzte: «Für mich ist die Jugend die Hoffnung Europas.»

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