Effektive Grenzsicherung: Woran die EU scheitert, war in der Habsburgermonarchie vor 300 Jahren eine Selbstverständlichkeit

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Quelle: Unzensuriert

Vor 300 Jahren besaß Österreich ein hochmodernes Grenzmanagement-System. Heute ist das nur noch ein Wunschtraum. Foto: E.T.Compton / Prielkreuz mit den Fahnen der K.u.K. Monarchie, gemeinfrei

Vor 300 Jahren besaß Österreich ein hochmodernes Grenzmanagement-System. Heute ist das nur noch ein Wunschtraum.
Foto: E.T.Compton / Prielkreuz mit den Fahnen der K.u.K. Monarchie, gemeinfrei

Woran Europa, oder besser gesagt die Europäische Union, heute nahezu völlig scheitert (Stichwort Grenzsicherung), war in der Donaumonarchie unter Herrschaft des Hauses Habsburg eine leicht zu bewältigende Selbstverständlichkeit: Der effektive Schutz vor ungewollter Ein- aber auch Auswanderung. Ein aktueller Zeitgeschichte-Artikel in der Presse gewährt einen ausführlichen Blick auf die Sicherung der Außengrenzen der Habsburgermonarchie vor 300 Jahren.

Gastkommentar von Eric Hugo Weinhandl

Die Grenzen des österreichischen Kaiserreiches reichten damals bis tief in den Balkan hinein und stießen mit jenen des osmanischen Reiches zusammen. Umso notwendiger war es damals, und wäre es auch heute (!), die Grenzen zum muslimischen „Erzfeind“ pflichtbewusst zu verwalten. Ein gut funktionierender Beamten-Apparat, in der Presse abwertend „aufgeblähter Habsburgerstaat“ genannt, ermöglichte dies letztendlich.

Für einwanderungswillige Migranten, aber auch Händler, Adelige und Diplomaten, herrschten die selben Regeln und Vorgaben. Neben gültigen Papieren und Geduld – die Einreise konnte oft über einen Monat dauern – mussten die Einwanderer Verständnis für genaue Überprüfungen und Kontrollen mitbringen. Die österreichischen Grenzbeamten geleiteten jede Person in die großen Wartesäle des Kaiserreichs, etwa im Belgrader Stadtteil Zemun, damals noch Grenzgebiet des K.u.K. Reiches.

Einwanderung unterlag strikten Regeln

Dort wurden die Neuankömmlinge untersucht, überprüft, sowie deren Waren und Tiere zwecks der Seuchenabwehr geräuchert oder gewaschen. In Zeiten erhöhter Seuchengefahr wurden die Grenzübergänge auch schon einmal vorübergehend geschlossen. Von jedem Migranten wurde Beruf, Religion und Herkunft notiert und weitergeleitet. Erst dann durften sie mit ihren neuen Dokumenten in Richtung Seuchenkordon, der sich über ganze 1.800 Kilometer erstreckte und im Ernstfall auch mehrwöchige Quarantäne für Einreisende etwa aus Pest-Gebieten vorsah.

Aber auch Zölle wurden für die importierten Waren eingehoben, etwa auf aus dem Orient beliebte Güter wie Ziegenleder, Wolle, Honig oder Wachs. Der Alltag eines modernen Grenzsicherungsprogrammes war schon anno dazumal vielfältig und durchdacht.

Österreichs Kaiserreich gelang, woran EU „scheitert“

Auch aus wissenschaftlicher Sicht und aufgrund der Aktualität der Thematik beschäftigt man sich wieder intensiver mit der Thematik der habsburgischen Außengrenzverwaltung, primär im historischen Bereich und hier in Studien. Dem über 800 Jahre existierenden Vielvölkerstaat gelang nämlich etwas, dass der Europäischen Union heute nicht zu gelingen scheint, oder absichtlich nicht gelingt: Ein effektives System zur Verwaltung und Kontrolle der Einwanderung. Studien lassen keinen Zweifel am Funktionieren gelenkter und auch kontrollierter Migrationsströme im 18. Jahrhundert aufkommen.

Einwanderer mussten sich anpassen – nicht umgekehrt

Dies mag aber auch daran liegen – und das lässt der Artikel in der Presse aus politischer Korrektheit gänzlich aus -, dass sich potentiell Einwanderungswillige erstens einer strikten Kontrolle unterziehen, zweitens den neuen (kulturellen) Gegebenheiten anpassen mussten und drittens keinerlei unverschämte Forderungen und Ansprüche geltend machen konnten.

Damals musste Integration tatsächlich gelebt werden und nicht als menschenrechts-verwässerte Plattitüde für Nicht-Integration herhalten. Das K.u.K.-Reich hatte hier strikte Vorgaben und auch Vorstellungen. Werte und Normen also, an denen sich jeder orientieren konnte und an die sich auch jeder zu halten hatte.

Die „Bezwingung“ der archaischen Grenzgebiete

In dem Artikel heißt es weiter, der Grenzraum wäre noch vor der Wende zum 18. Jahrhundert ein „ungemütlicher Ort“ gewesen, wo es Duelle, Plünderungen und Entführungen gab. Auch tobten dort mitunter noch „Kleinkriege“ weiter, als die Großmächte schon Frieden geschlossen hatten.

Dies mag vielleicht in einigen Fällen sogar stimmen, jedoch gibt uns der Autor dafür keinerlei historische Belege oder Quellen an. Ähnliche Szenen haben sich in ganz Europa, ja weltweit, abgespielt, und das nicht nur im Grenzraum.

Siebenbürgern als gelungens Beispiel deutscher Binnenkolonisation

Ein Gegenbeispiel wäre das deutsche Siedlungsgebiet Siebenbürgern im heutigen Rumänien, aber im damaligen Grenzgebiet. Durch die Binnenkolonisation österreichischer und deutscher Bürger entstand eine prosperierende Region, die als Bollwerk gegen die Osmanen galt und fern von archaischen Zuständen erblühte.

Der Friede von Karlowitz 1699 besiegelte nicht nur den Triumph des Kaiserreichs über das osmanische Reich, sondern zwang dieses auch zu einer Grenzziehung auf dem Balkan. Neben den Trennlinien auf dem Papier wurde auch eine physische Grenze durch Stangen und Gräben ausgelegt.

Der Staat befahl schließlich die genaue Grenzziehung. Anders als heute musste sich der betroffene Grundbesitzer damit abfinden, zum Wohle des Reiches und seiner selbst natürlich. Der Historiker Jovan Pešalj dazu: „[…] in Friedenszeiten war die Grenze sakrosankt und unveränderbar“.

Zukunftsorientierte Bevölkerungspolitik

Die genau gezogenen Grenzen, kombiniert mit den strikten Einwanderungsbestimmungen, bildeten einen erheblichen Mehrwert für die Grenzbevölkerung und schließlich auch für den Rest der Reichsbürger. Denn die Grenzsicherung gen Südosten war mehr als ein bloßer militärischer Schutzwall gegen die Osmanen.

Dort setzte die zukunftsorientierte Bevölkerungspolitik an, dort wurden Seuchen und andere Krankheiten bekämpft und dort wurden auch Steuern eingehoben. „In dieser gesamtstaatlichen Migrationspolitik liegt den Forschern zufolge die historische Leistung, die Resteuropa erst nach der Französischen Revolution 1789 nachvollziehen würde, als die Idee des Nationstaats den Kontinent eroberte“, so die Presse.

Die militärische Grenzsicherung, etwa durch Wachtürme, garantierte überdies Sicherheit und Frieden. Jeder illegale Grenzgänger war sich dem „scharfen Schuss“, jeder Schlepper den drakonischen Strafen bewusst.

„Willkommenskultur“ im Habsburgerreich?

Wenig Historisches haftet den Ausführungen gegen Ende des Artikels an, als der Autor der Donaumonarchie eine „Willkommenskultur“ unterstellen möchte: „Die Abschreckung illegaler Grenzgänger verstellt den Blick auf die Willkommenskultur der Habsburger“. Dieser überstrapazierte und durchaus negativ behaftete Begriff ist eine modernistische Erfindung, enstanden aus der verzweifelten Suche nach einer positiven Bezeichnung für die unkontrollierte Masseneinwanderung gen Europa aus Balkanländern, Mittel- und Nahost sowie aus  Nordafrika.

„Willkommenskultur“ als Feigenblatt für unkontrollierte Migration

Er hat also mit Migrationsbewegungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert herzlich wenig gemein. Denn die angesprochenen 100.000 Menschen, welche über Österreichs Grenze flohen, als die Osmanen den Ersten Serbischen Aufstand niederschlugen, waren allesamt im Geiste Europäer, teilten die selben kulturellen Grundwerte und hatten den Osmanen als gemeinsames Feindbild. Natürlich spielte auch das angestrebte Wachstum des Reiches eine Rolle, eine von vielen jedoch.

Der Weitblick des „Migrations-Managements“

Weitblickend erkannte die Verwaltung nämlich, dass die Migranten von heute die assimilierten Steuerzahler von morgen sein können. Und sie wurden es. Durch strikte Gesetze, Normen, den rechten Glauben und Werte. Anders als heute, wo unter dem Deckmantel der Religions- und Meinungsfreiheit eben diese Freiheiten geopfert werden, sich Parallelgesellschaften bilden und Werte keinen Platz mehr im konsum- und wachstumsgetriebenen Miteinander haben.

Moslems waren schon damals suspekt

Deshalb misstraute man muslimischen Migranten im Übrigen bereits damals. Wie man heute leider allzu gut erkennen kann, gab es schon im Kaiserreich berechtigte Zweifel an deren Loyalität. Auch kontrovers diskutierte Rückführungen waren im 18. Jahrhundert nichts ungewöhnliches, selbstverständlich sogar die Auslieferung Krimineller.

Bleibt zu sagen, den Habsburgern gelang vor 300 Jahren, was Österreich heute nicht gelingt: eine vernünftige Grenzsicherung. Trotz des Fortschritts, trotz der Modernität, trotz der „glorreichen“ Republik, ihrer überbordenden Bürokratie und ihrer ideologisierten Institutionen…oder liegt das Scheitern gar darin begründet?

Eric Hugo Weinhandl ist Politikwissenschaftler und freier Publizist. Der Artikel erschien auf seinem libertären Blog www.konterrevolution.at

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